Wellness Urlaub
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Ostseeküste - Föhr
Deutschsprachige werden versucht sein, das Wort "Föhre"
zugrundezulegen. Ursprünglich stammt der Inselname vom friesischen
Feerlunn, was "trockenes Land" heißt. Da hier jedoch wieder eine
Assoziation mit der Föhre besteht, bewegt man sich vielleicht im
Kreis und kommt letztlich wieder beim Baum an. Gemeint ist auf alle
Fälle Föhrs Geestrücken, denn andern orten ist es weder trocken noch
gibt es Föhren. Die frühe Geschichte Föhrs läuft mit derjenigen
Amrums völlig parallel, so dass eine separate Beschreibung müßig
wäre. Auch die erste urkundliche Erwähnung Föhrs im "Erdbuch"
Waldemar 11. von Dänemark stimmt mit Amrums Datum (1231) überein.
Anno 1252 gab es das erste und einzige Mal Krach auf Föhr. Der
Dänenkönig Abel wollte eine Steuererhöhung durchsetzen und versuchte
es mit Gewalt. Abels Heer wurde auf dem Königskamp bei Oldenswort
vernichtend geschlagen, er selbst fand den Tod. Seither arrangierte
sich das Dänenreich mit den bockigen Insulanern auf der Basis
widerwilligen Respekts, und wie die Amrumer war mancher Föhrer gar
nicht so glücklich, als die Insel 1864 endgültig an das Deutsche
Reich überging. Noch heute stimmen viele Inselbewohner für die
sogenannte Dänenpartei, ein Anachronismus, der im Bindestrichland
weiterhin Bestand hat. Ost-Föhr geriet seit Ende des 14.
Jahrhunderts allerdings zunehmend unter "deutschen" Einfluss, denn
das Herrschaftsgebiet der Grafen von Holstein dehnte sich bis
dorthin aus. Entsprechend vollzog sich die Entwicklung der beiden
Inselhälften unterschiedlich — wenn auch nicht sehr. Mehr dänisches
Vokabular floss in den friesischen Wortschatz der "Wessis", mehr
deutsches in den der Ostler, ohne dass man sich indes mit einem der
fremden Herren identifiziert hätte. Nur wenn es ans Deichen ging,
ließ man sich schon mal organisiert ins Feld führen. Von 1572 an
wurden zwei Jahrhunderte lang diverse Verordnungen auf diesem Gebiet
erlassen, und die Föhrer fügten sich willig in das Unabänderliche.
Denn die schrecklichen Erinnerungen an die "Grote Manndränke" von
1362 wirkten noch lange nach. Zwar war Föhr dabei relativ glimpflich
davongekommen. Doch die Insel hatte an Substanz verloren. Wattfunde
im Umfeld Föhrs deuten darauf hin, dass sich Kulturland einst weit
über die Grenzen der heutigen Insel erstreckte, wahrscheinlich sogar
bis nach Amrum. Auch die Reformation zu Beginn des 16. Jahrhunderts
ging weitgehend problemlos über die Runden. Nur aus Utersum wird
berichtet, es habe bei einer Kindtaufe Streit zwischen den Anhängern
der beiden Glaubensrichtungen gegeben. Der Nieblumer Mönch Pake ritt
darauf nach Amrum, um die dortigen Insulaner der Treue gegenüber der
alten Kirche zu verpflichten. Er soll zuvor geschworen haben, "nicht
lebendig wiederzukommen, wenn er nicht die wahre Lehre verträte".
Zurück auf Föhr wurde der fromme Pater vom Pferd geworfen und brach
sich das Genick. Das "Gottesurteil" besiegelte den Einzug des
Luthertums nach Föhr endgültig. Borkum, Amrum, Föhr. Hier kamen die
Seefahrer her, die, beginnend im 17. Jahrhundert, ins ferne Eismeer
aufbrachen, um den Wal zu jagen. "Ihrer viel ernähren sich mit dem
Wallfischfange", beschreibt der Husumer Chronist Danckwerth die
Abenteurer jener Zeit, "denn sie fahren jährlich hinüber hinter
Island und Norwegen, an Grönland und Spitzberge, auf sothan
Wallfischfang, welche sonst unsaubere Hantierung ihnen gut Geld in
den Beutel trägt..." Die "unsaubere Hantierung", als die man sie
heute endgültig abqualifiziert hat, erlahmte mit der Dezimierung der
Wale, und auf Föhr war bald alles wieder beim alten. Schlimmer noch.
Während die Männer — oft jahrelang — auf See waren, konnte auf der
Insel nur sehr beschränkt Landwirtschaft betrieben werden. Als Folge
musste man Nahrung importieren. Daran änderte sich nichts, als die
Seeleute zurückkehrten. Was hält schon einen jungen Mann mit dem
Glanz der Ferne in den Augen auf dem Bauernhof? Die Föhrer Seefahrer
wanderten in alle Welt ab. Unter allen Flaggen waren sie zu finden,
auf jedem Kontinent. Selbst auf der legendären Marie Celeste waren
zwei Föhrer Jungs, die mit der Crew spurlos verschwanden. Den
endgültigen Ausschlag gab die mörderische Flut von 1825. Nicht nur
die flache Marsch ging in den Wassern unter, selbst die Geestküste
geriet in Bedrängnis; bei Nieblum drohte die Insel entzweizureißen.
Die Deiche wurden nach dieser Katastrophe zwar weiter erhöht, aber
nichts war mehr so recht wie vorher. Eine große Auswanderungswelle
setzte ein. Die meisten Emigranten gingen in die Vereinigten
Staaten. Viele Föhrer Familien haben heute "drüben" Verwandte,
vornehmlich in New York und Kalifornien. "Unsere Beziehungen mit den
USA sind intensiver als mit Deutschland", sagte mir ein
Alteingesessener allen Ernstes und wies auch — nicht minder ernst —
auf exzellente Relationen mit China hin, zu denen frühere Föhrer
Handelsschiffer den Grundstein gelegt hatten. Die Bande mit den
"deutschen Nachbarn" wurden allerdings bereits 1819 enger geknüpft,
als Wyk Seebad wurde — Nordfrieslands ältestes — und der Tourismus
in Gang geriet. Aber die Weltanschauung von Leuten, die, frei nach
Alexander von Humboldt, die Welt auch tatsächlich angeschaut hatten
und deshalb in breiteren Bahnen zu denken vermochten, war von den
Föhrern in das neue Zeitalter transponiert worden. Und da findet man
sie heute noch.