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Hotel & Ferienwohnung Nordsee
die Umwelt im Einklang mit Sand und Wasser
Die Hauptelemente der meisten deutschen Nordseeinseln sind eben diese: Sand und Wasser. Um was für Stoffe handelt es sich dabei eigentlich genau? Der Nordseesand ist vorwiegend das zerriebene Überbleibsel einstiger Felsmassen, die in die Mühle der Eiszeiten gerieten. Er ist auf allen Inseln, die einen Strand besitzen, von makellosem Hell- bis Dunkelgelblichweiß, fein- körnig und absolut sauber. Im weltweiten Vergleich verdienen die deutschen Inselstrände höchste Benotungen — vor allem, wenn man bedenkt, dass sie einem industriellen Koloss vorgelagert sind und sich pro Jahr Zehntausende von Schiffen an ihnen vorbeiwälzen. Es hat allerdings einige Arbeit gekostet, diesen Idealstatus zu erreichen, im großen Maßstab wie auch im kleinen vor Ort. Heute sind die Strände so sauber, dass eine angetriebene solitäre Flasche schon interessierte Aufmerksamkeit erregt. (Ja, es gibt zeitweilige Ausnahmen, den ekligen Giftbeutelskandal im Januar '94 zum Beispiel, doch diese sind nicht von Dauer.) Das allgemein erhöhte Umweltbewusstsein hat unter anderem stark dazu beigetragen, dass im ökologischen Bereich auf allen Inseln geradezu richtungweisend vorgegangen wird. Der Tag ist nicht fern, da Kunststoffe weitgehend von den Inseln verbannt sein werden. Einwegflaschen, Getränkedosen und belastende Reinigungsmittel sind schon jetzt fast verschwunden. Sehr lobenswert auch kostenlose Toiletten im Gelände; geklärt wird weitgehend biologisch. Dass angesichts dieser Saubermann-Bedingungen auch das Meerwasser gute Noten erhalten hat, darf niemanden verwundern. Die vom ADAC in den letzten Jahren periodisch durchgeführten Untersuchungen ergaben durch die Bank das Fazit "einwandfrei sauber", welches allseits mit großer Genugtuung aufgenommen wurde. Manche Leute hatten das doch schon immer gesagt und alles andere einer Panikmache der linken Kampfpresse zugeordnet. Allerdings bezogen sich die ADAC-Tests lediglich auf das Vorhandensein schädlicher Bakterien. Was die Nordsee an sonstiger Schmutzfracht mit sich führt, steht auf einem anderen Blatt. Das graue Nordmeer ist keine blaue Karibik. Zwar ist das, was da im Kielwasser der Fähre braungrünlich empor brodelt, dem hoffnungsvollen Schnorchler am Inselstrand die Hand vor Augen verwehrt, keine Verschmutzung im eigentlichen und abschreckenden Sinn. Es handelt sich um Schwebstoffe aus Schlick, Plankton und Algen das gab es schon vor tausend Jahren und ist vielleicht sogar "gesund". Was jedoch von anderer Seite in die Nordsee "eingetragen" so das Fachwort wird, ist von minderer Heilkraft. Früher, noch gar nicht so lange her, sah man die Belastbarkeit mariner Ökosysteme wie der Nordsee als unerschöpflich an. Bis auf Bundesebene schwadronierte man von den "unendlichen Selbstheilungskräften", der "Elastizität" und der "Absorptionsfähigkeit" des Meeres. Spätestens in den 60er Jahren wurden diese Erkenntnisse hochbezahlter Fachleute als Irrglaube und Nonsens entlarvt; vieles war im Zeichen industrieller Interessenvertretung auch nur so dahergeredet worden. Wie sich zunehmend zeigte, war das Meer ein höchst fragiles Biotop und der Mensch im besten Begriff, es zu zerstören. Als ganz besonders gefährdet erwies sich die Nordsee, ein von lauter Industriestaaten umgebenes flaches Scheit Randgebiet des Atlantischen Ozeans. Auch die Mär, dass alles aus ihm "hinausgeschwemmt" würde, erwies sich als solche. Die Nordsee, klein und seicht wie sie ist, hat nicht einmal eigene Gezeiten, sondern liegt im Bereich sogenannter Mitschwingtiden des Nordatlantiks, die als Welle bei den Orkneys und Shetlands in das Bassin hineinlaufen und sich gegen den Uhrzeigersinn an den Küsten entlang ausbreiten. Wehe, wenn es in diesem empfindlichen Flachmeer einmal zu einer Supertankerkatastrophe kommen sollte! Dieses aus den Medien leider wohlbekannte Szenario wird an der Wattenmeerküste immer wieder mit allen gruseligen Konsequenzen ausgemalt. Was, wenn...! Doch es bedarf gar keines solchen Desasters, um die Nordsee auch so alljährlich mit einer Großtankerladung Öl zu überziehen. Nicht spektakulär "im Stück" und wabernden Schmierteppichen, sondern so ganz "sutje", um ein Küstenwort zu benutzen. Die entsprechenden Schätzungen jährlicher Gesamteintragungen aus verschiedenen Quellen liegen bei mehreren zehntausend Tonnen! Allein rund 20.000 davon kommen aus der Atmosphäre: unvollständig verbrannte Treibstoffreste von Maschinen aller Art mit Einschluss von Kraftfahrzeugen. Die Schifffahrt ist zu 10-20% mit sich summierenden "Kleineinträgen" beteiligt, auffällig schon durch eine deutlich lebhafter sprudelnde Quelle im Winter, wenn Dunkelheit und schlechte Sicht ein Beobachten der illegalen Schweinereien erschweren. Ein Löwenanteil entstammt Landabflüssen, ein kleinerer Prozentsatz dem Offshore-Bohrgewerbe, bei dem das eine oder andere Tönnchen immer mal wieder danebenkleckert. So ungeheuerlich diese Quantitäten klingen mögen sie sind gottlob überwiegend dünn verteilt oder auch im Wasser gebunden und richten dort keinen unmittelbaren, augenfälligen Schaden an. Dazu reichen viel kleinere Mengen. Als 1987 ein Schiff vor einem Gebiet hoher Vogeldichte im holländischen Wattenmeer eine Tonne Öl abließ, starben über zehntausend Vögel. Doch auch in feiner Verteilung tötet das Öl nach Schätzung von Fachleuten an die 100.000 Vögel pro Jahr. Für Öl, das man sieht und riecht, hat der Badegast Sinnesorgane, und er wird im Regelfall und zu seiner großen Befriedigung beim Mittagsbad nichts davon bemerken. Doch für einige andere "Einträge" haben wir leider keine Fühler sonst gäb's auch dauernd Alarm. Dies geht vor allen Dingen die komplexeren Produkte der Chlorchemie an, von denen riesige Mengen den Weg in den "industriellen Nachttopf" finden, als den Zyniker die Nordsee bereits bezeichnet haben. Nun mag abwiegelnd argumentiert werden, dass die See, der Badegast selber gar, als elementaren Baustein eine Chlorverbindung enthält: Natriumchlorid, das schlichte Kochsalz, ein überlebenswichtiger Stoff. Stimmt. Wir Menschen und das Meer können offenbar auf uralte gemeinsame Ursprünge zurückblicken. Deshalb enthalten wir auch beide keine chlorierten Kohlenwasserstoffe und erst recht keine polychlorierten Biphenyle oder sollten es zumindest nicht. Denn diese brodeln erst seit etwa hundert Jahren in den Retorten. Und nicht nur dort. Der teuflische Gebräu komplex ist auch in solchem Maße "freigesetzt" worden, daß er mittlerweile alle biologischen Kreisläufe durchdrungen hat. Und da in unserem über Jahrmillionen hinweg mühsam erworbenen enzymatischen Abwehrprogramm kein Mittel gegen diese neuen lebensfeindlichen Substanzen existiert, haben sie uns zahlreiche und außerordentlich komplexe Krankheiten beschert. Nicht über eine unmittelbare "giftige" Wirkung, sondern auf dem Umweg über eine allgemeine Schädigung und Schwächung des Immunsystems mit allen weiteren Konsequenzen. Das beginnt, haben Wissenschaftler herausgefunden, bei Mikroorganismen auf dem Meeresboden und endet bei uns, der "Krone der Schöpfung". Zu diesen üblen Stoffen (auf die keineswegs das Meer, geschweige denn die Nordsee, ein "Monopol" hat), gesellen sich an die 40.000 t Schwermetalle, ein großer Teil davon mittels "atmosphärischer Eintragung" Blei aus Auspuffrohren. Radioaktivität (aus den Wiederaufbereitungsanlagen La Hague und Sellafield) macht sich ebenfalls in der Nordsee bemerkbar, wenn auch keineswegs besorgniserregend im deutschen Bereich. Aber muss dieser sprichwörtliche, ein Überlaufen einleitende Tropfen denn unbedingt noch hinein in den industriellen Nachttopf? In den letzten Jahren hat sich gottlob einiges getan im ökologischen Umdenkprozess. Mehr noch ist vonnöten. Immerhin ist man aber bereits so weit, dass im Zweifel über die Auswirkungen menschlicher Aktivitäten stets auch von Schadeffekten ausgegangen wird. Nach dem Vorsorgeprinzip sucht man in der Vermeidung von Ursachen generell die beste Lösung. Einige besonders schlimme Exzesse, so die berüchtigte Dünnsäureverklappung in die Nordsee, konnten über konzertierte Aktionen gestoppt werden. Es besteht Anlass zu vorsichtigem Optimismus. "Was geht mich das alles an?" mögen Sie fragen, während Sie Ihre Zehen in das erfrischend kühle und naturbelassen Nordmeer tauchen. "Das Wasser ist doch sauber!" Nun, vielleicht möchten Sie Ihr Lieblingsmeer im nächsten Jahr genauso taufrisch und scheinbar pflegeleicht vorfinden. Das beinhaltet auf lange Sicht allerdings ein paar persönliche Einschränkungen: Weniger Auto, Plaste und Elaste. Umweltbewusstsein Denken erfordert heute vernetzte Überlegungen. Während des großen Seehundsterbens in Nordfriesland von 1988/89 konnte auch auf keinen einzelnen Schadstoff mit dem Finger gezeigt und gesagt werden: "Der war's." Zu denken geben sollte allerdings auch den Uneinsichtigsten, dass die etwa 11.000 Kadaver wegen extrem hoher Giftanreicherungen als "Sondermüll" beseitigt werden mussten. Ungefähr 17.000 Seehunde gingen in der genannten Periode ein, wahrscheinlich durch eine Virusepidemie, gegen die ihr von endlosen "Eintragungen" geschwächtes Immunsystem keinen Widerstand bot. Als die ersten Kadaver antrieben, gingen die Kurverwaltungen in aller Hast daran, diese einzugraben, um die Gäste nicht scheu werden zu lassen. Doch die meisten Inselbesucher ließen sich keineswegs verschrecken. Im Gegenteil, vielen gereichte das Spektakel zur Gaudi. Zusammentreffen mit zerfließenden Seehundleichen wurden als abenteuerliche Erlebnisse abgebucht. In bestimmt mehr als einem Fall setzte man Kleinkinder für ein pittoreskes Erinnerungsfoto auf den glibbernden Kadaver.
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