Tarnovo (37 000 Einw.), deutsch meist Tirnowo genannt, ist dank
seiner herrlichen Lage, seines altertümlichen Charakters und der
Zeugnisse seiner großen Vergangenheit eine der schönsten und
interessantesten Städte des Landes. Die vom eipkapaß kommende
lantra, ein Nebenfluss der Donau, hat sich hier bis zu 250 m tief in
die Ausläufer des Balkangebirges in so scharfen Windungen
eingegraben, dass die dadurch entstandenen Einzelhügel fast Inseln
gleichen. Im Wasser der Jantra spiegeln sich die rotgedeckten,
verschachtelten Häuser der unter Denkmalsschutz stehenden Stadt.
Sehenswürdigkeiten: Tarnovos große Zeit war das 13. und das 14.
Jahrhundert, als es Hauptstadt des Zweiten Bulgarischen Reiches war.
Aus dieser Zeit finden sich auf dem Hügel Carevec ausgedehnte
Ruinen, u. a. die des 6000 qm großen Zarenpalastes, Auf dem
gegenüberliegenden Hügel Trapezica lebten einst die Bojaren und der
hohe Klerus; die Reste von 17 kleinen Kirchen wurden hier
freigelegt. — Zwischen diesen beiden Hügeln waren die Wohnungen der
Handwerker und Kaufleute. Hier lohnen mehrere mittelalterliche
Kirchen mit ihren schönen Fresken einen Besuch: die Kirche der
heiligen Märtyrer (1230), dann die Peter-und-Paul-Kirche (1300), die
Georgskirche - (14. Jh.) und die Demetriuskirche (1185). Die im 19.
Jahrhundert angelegte Neustadt wird durch die Bauten von Nikola
Fiäev (1800-81), dem ersten großen bulgarischen Architekten, ge-
prägt: ehemaliger türkischer Konak (1872); 1906 rekonstruiert),
türkisches Gefängnis (1861; jetzt Museum), Athanasiuskirche (1861),
Nikolauskirche (1836), Konstantin- und- Helena-Kirche (1872),
Herberge des Hadschi Nikolaus (1858) und Haus mit dem Ällchen
(1849). Besuchenswerte ist auch das Bezirksmuseum mit seinen
archäologischen und historischen Sammlungen. Arbanassi, 4 km
nordöstlich, liegt auf einem 439 m hohen Plateau, das einen
herrlichen Blick auf die Stadt bietet. Der kleine Ort erlebte seine
Blütezeit im 17. und 18. Jahrhundert, und aus dieser Zeit stammen
auch seine besuchenswerte Baudenkmäler: Patrizierhäuser und Kirchen.
Nicopolis ad Istrum, 18 km nördlich, war in römischer Zeit ein
wichtiger Handelsplatz, von dessen Bauwerken bedeutende Reste
freigelegt wurden. Verklärungskloster (Preobrazenski manastir), 6 km
nördlich. Es ist ein sehr altes, aber im 19. Jahrhundert völlig
neugebautes Männerkloster mit vier Kirchen. Sipkapaß (1333 m), 73 km
südwestlich. Hier fanden im August 1877 die Entscheidungskämpfe des
Russisch-Türkischen Krieges statt, die zur Unabhängigkeit Bulgariens
führten; daran erinnern ein 31,50 m hohes Denkmal und — im nahen Ort
Sipka — eine mit ihren fünf vergoldeten Kuppeln weithin sichtbare
Gedächtniskirche.