Sofia, die Hauptstadt Bulgariens und das wirtschaftliche und
kulturelle Zentrum des Landes, zählt mit Vororten etwa 850 000
Einwohner. Es liegt 550 m hoch sehr schön im Süden der Sofioter
Ebene, umgeben von einem Kranz von Gebirgen: der Vitoja im
Südwesten, dem Ljulin im Westen, dem Balkan im Norden und den
Ausläufern der Sredna gora im Osten. Es besitzt keine malerische
Altstadt wie andere bulgarische Orte und nur wenige wertvolle
Kunstdenkmäler. Man darf hier auch nicht das pulsierende Leben
anderer europäischer Hauptstädte erwarten. Dennoch übt die
ungewöhnlich saubere und freundliche Stadt mit ihren breiten
Boulevards, ihren vielen gepflegten Parkanlagen und ihren modernen
Bauten wohl auf jeden Besucher einen großen Reiz aus. An der Stelle
des heutigen Sofia bestand bereits im 6. Jahrhundert v. Chr. die
thraktische Siedlung Serdika. Unter den Römern erlebte die nun U/pia
genannte Stadt ihre erste Blüte und zählte zu den wichtigsten
Handelszentren des Reiches. Im Jahr 341 wurde hier auf einer Synode
vergeblich versucht, den Frieden zwischen Athanasianern und Arianern
wiederherzu- stellen. 447 ließ Attila die Stadt in Brand stecken;
etwa hundert Jahre später wurde sie unter Kaiser Justinian
neuerrichtet und mit festen Mauern umgeben. Seit dem 7. Jahrhundert
wurde die völlig romanisierte Bevölkerung von den aus der Donauebene
gekommenen Slawen nach Süden abgedrängt. Auch vom Mittelalter bis
zum 18. Jahrhundert war die Stadt von einiger Bedeutung, zuerst
unter dem alten Namen Serdika, seit dem 14. Jahrhundert als Sofia.
Im 18. Jahrhundert war es nach Konstantinopel das wichtigste
Handels- und Kulturzentrum der Balkanhalbinsel. Dann machte es den
allgemeinen Niedergang des Osmanischen Reiches mit. 1879 wurde
Sofia, das damals nur noch 20 000 Einwohner zählte, die Hauptstadt
des befreiten Bulgariens. Heute ist Sofia eine sehr moderne
Verwaltungs- und Wirtschaftsmetropole. Über 20% der
Industrieproduktion des Landes entfallen auf Sofia, und fast ein
Viertel der bulgarischen Arbeiter ist hier tätig. Den hohen Stand
des kulturellen Lebens kennzeichnet die Tatsache, dass es neben der
Staatsuniversität (mit 30 000 Studenten) 15 weitere Hochschulen
gibt, von denen elf erst nach 1944 gegründet wurden, ferner etwa 700
Bibliotheken und Lesehallen sowie ein Dutzend Theater.
Sehenswürdigkeiten : Die meisten Sehenswürdigkeiten liegen in der
Innenstadt und lassen sich leicht zu Fuß erreichen. Am bekanntesten
ist die Alexander-Nevski-Kathedrale (1904-12); in der Krypta des
mächtigen Baus befindet sich eine außerordentlich sehenswerte
Sammlung alter Kunst, mit etwa 210 Ikonen und Bruchstücken von
Fresken, mit alten Handschriften und Miniaturen sowie vor allem dem
„Goldschatz von Velic Trän" (8. Jh. v. Chr.). — Daneben steht die
(weitgehend rekonstruierte) Sophienkirche (6. Jh.), der die Stadt
vermutlich ihren Namen verdankt. Im westlich davon gelegenen
ehemaligen Königsschloss (19. Jh.) vermittelt jetzt die
Nationalgalerie einen Überblick über die bulgarische Kunst des 19.
und 20. Jahrhunderts. Gegenüber erhebt sich das Georgi-
Dimitrov-Mausoleum; in der Gruft ruht in einem Glassarg der
einbalsamierte Leichnam des Kommunistenführers Georgi Dimitrov
(gest. 1949). In der nahen ehemaligen Großen Moschee (15. Jh.) ist
das sehr besuchenswerte Archäologische Museum untergebracht. Am erst
1955 vollendeten Platz Largoto liegen die wichtigsten Partei- und
Regierungsgebäude sowie das Großkaufhaus „CUM". Der anschließende
Leninplatz ist der Verkehrsmittelpunkt der Stadt. Hier befinden sich
die — halb in den Boden eingegrabene — Kirche der heiligen Petka der
Stattler (um 1400), die 1576 von dem berühmten türkischen
Architekten Mimar Sinan errichtete Bädermoschee, die Kirche des
heiligen Sonntags (19. Jh.) und - im Hof des „Hotel Balkan" - die
Georgskirche (5./6. Jh.), die älteste Kirche der Stadt.
Erwähnenswert sind endlich der 360 ha große Freiheitspark und
mehrere Museen zur jüngsten bulgarischen Geschichte. Kulturelles
Leben: Außer den bereits erwähnten Theatern und Hochschulen gibt es
in Sofia neun Konzertsäle und mehrere Orchester, darunter die
international bekannte Sofioter Staatsphilharmonie, ferner etwa 30
Kinos mit festen Anfangszeiten. Die 8 km südwestlich von Sofia
gelegene Kirche von Bojana ist wegen ihrer prachtvollen
mittelalterlichen Fresken (1259) eines der bedeutendsten
Kunstdenkmäler des Landes. Das nahe, etwa 20 km lange, 18 km breite
und bis über 2000 m hohe Vito. Vagebirge ist das beliebteste
Ausflugsziel der hauptstädtischen Bevölkerung. Zu seinen
Glanzpunkten zählen der - vor allem gegen Abend - prachtvolle Blick
vom Hotel-Restaurant „Kopitoto" und die Zkitni mostöve („Goldene
Brükken"), mächtige Moränensteine, die von einem inzwischen
verschwundenen Gletscher herabgeführt wurden.
Borovec, 71 km südöstlich von Sofia, ist das bekannteste
Wintersportzentrum des Landes, wird aber auch gern als Sommerfrische
besucht. Es liegt 1300 m hoch an den Nordhängen des Rilagebirges
inmitten schöner Nadelwälder. Von hier lässt sich die Mussala (2925
m), der höchste Berg Bulgariens und der ganzen Balkanhalbinsel,
besteigen.
Rilakloster (Rilski manastir), 120 km südlich von Sofia. Es ist das
berühmteste Kloster des Landes und eine Art Nationalheiligtum,
prachtvoll 1147 m hoch in einem engen, bewaldeten Talkessel gelegen.
Das Kloster wurde im 12. Jahrhundert erbaut, musste aber im 19.
Jahrhundert nach einem großen Brand fast völlig neuerrichtet werden.
Besonders stimmungsvoll ist der dreistöckige Innenhof mit seinen
schwarz-weiß ausgemalten Bogengängen und den hölzernen Galerien.
Beachtenswert sind auch der vom Feuer verschonte Hreljo-Turm (1335),
die Klosterkirche, das kleine Museum und das erste Stockwerk.