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Insel Rügen
Jüngste Geschichte über Rügen. Im übrigen ist Rügen eine Insel des 19 Jahrhundert. Der Schmelz dieser Zeit ist viel stärker als die dünne Schicht DDR, die sich wie Patine über alles gelegt hat. Diese DDR Patine hat manches Zerstört, anderes aber bewahrt. Wie würde Binz zum Beispiel nach 40 Jahre BRD aussehen ? Wahrscheinlich wie das , ohne Plan geregelte Westerland. Mit seinen wenigen FDGB- Hochhäusern ist Binz von der Tourismusgeschichte gnädig behandelt worden. Dazu echte Romantik, mit einem Schlag ins Morbide. Denn die bröckelnden Fassaden, die verfallenen Pracht der Villen von Binz oder Saßnitz sehen im wesentlichen nun einmal romantisch aus. Zufällig war es Casper David Friedrich, der Maler Rügens, der dem Weltpublikum am Beispiel des Klosters Eldena die Augen für die Schönheit der Ruinen geöffnet hat. Es ist zu glauben , das Rügen im Aufgeräumten und Geputzten Zustand nicht diese Romantik ausstrahlen würde, wie Ihr Zustand ist. Man wird in subjektiven Eindrücken über ein Landstrich schreiben. Jeder einzelne Betrachter sieht die Insel von seiner Sicht. Favorisiert die vielfältigen Land und Küstenstreifen für sich. Mit den Urteilen der Autoren wird man also nicht immer einverstanden sein sollen. Vielleicht hat ja jemand beim Anblick der Feuersteinfelder von Mukran, die uns völlig kalt ließen, sein Paulus-Erlebnis und verbringt den gesamten Rügen Urlaub in einem Zelt am Rande der Feuersteinfelder. Es ist nicht zu verkennen, dass der größte Teil diese Textes von einem Westdeutschen stammt und dass Rügen , wie gesagt, mit westlichen Augen betrachtet wird. Was soll man tun gegen seine Augen? Zum Beispiel käme ein DDR-Bürger vermutlich nicht auf den Gedanken , einen Strandkiosk wie das „Inselparadies“ in Baabe als Sehenswürdigkeit aufzuführen. Man sollte auch nicht versuchen aneinander zu erziehen. Deshalb ärgert man sich mit recht auf Rügen über die Westdeutschen. Man wird es den Gästen meist nicht spüren lassen, denn die Rüganer- nicht Rügener, bitte , sondern Rüganer- sind im Gegensatz zu den Berlinern überdurchschnittlich höfliche Menschen, dabei gar nicht verschlossen oder maul faul, wie man es den Norddeutschen oft nachsagt. Wieso regen sich Kleingeister aus Düssel- oder Wilmersdorf hier darüber auf, wenn es kein Zimmer mi Bad gibt und überhaupt manches anders läuft als zuhause. In Griechenland waren sie letztes Jahr toleranter. Lieber sollten die Westler hoffen, dass die unvermeidliche Bundesrepublickanisierung Rügens möglichst behutsam verläuft, dass es noch lange auf der Speisekarte Schweinesteak Hawaii gibt und dass „Inselparadies“ als Denkmal anerkannt wird. Denn das neue Deutschland wird ein nüchternes Land sein.
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