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Pellwurm
Mit einem Wurm hat der Name nichts gemein, das scheint gesichert. Die genaue Bedeutung liegt allerdings im Dunkeln. Pill oder Pyll mag im damaligen Friesischen "Riedgras" bedeutet haben, warum, und hier klingt das -um wieder nach, das "Heim der Wehr". Andere Interpreten sehen in der Vorsilbe Pell- einen kirchlichen Bezug, der sich auf das Glockenläuten (englisch: to peal) zurückführen lässt. Die Geschichte Pellworms geht unmittelbar mit der eben geschilderten Nordstrands einher. Da Pellworm jedoch der offenen See ein beachtliches Stück näher gelegen ist, hatte diese Insel auch stets mehr einzustecken. Das Jahr 1362 änderte die gesamte Küstenlinie von Grund auf, und Pellworm fand sich jetzt an vorderster Front dem Blanken Hans ausgesetzt. "Gewiss kein Ort der ganzen schleswigschen Westküste ist durch Gottes unerforschliche Ratschlüsse so schwer heimgesucht worden wie die Insel Pellworm", heißt es in einer zeitgenössischen Schrift. Fatal erinnert auch die Totenkopfform der (von Norden gesehenen) Inselkontur an diese Prüfungen, deren schwerste bei der gewaltigen Flut des Jahres 1634 erfolgte. Die Verbindung mit Nordstrand, reiches, blühendes Bauernland, versank in der See, und Pellworm hätte um ein Haar dieses Schicksal geteilt. Heute tauchen im Watt um die Insel immer wieder Artefakte aus dem Katastrophenjahr auf und haben zum Teil Eingang in die originellen kleinen Museen gefunden. Im Gegensatz zu den Nordstrandern, die sich nie ganz von diesem Schlag erholten, begannen die Pellwormer ohne Verzug und unter schwierigsten Bedingungen, das Verbliebene mittels neuer Deiche zu retten. Sie erhielten dabei Hilfe aus Holland, wo man im Deichbau sachkundiger war als anderswo, und sie schaufelten dreiundfünfzig Jahre lang drauflos, bevor sie sich eine erste Ruhepause gönnten. Ein Jahrhundert später ging das Graben weiter, und es hat seither nie so ganz aufgehört. Der jüngste Teil Pellworms, der Buphever-Koog, wurde erst 1938 eingedeicht, und die ständige Verstärkung und Sicherung der bestehenden Deiche hält bis heute an. Riesige Neukonstruktionen, zum Teil von reinem Experimentalstatus und verzweifelt unabsehbaren Ausgangs, sind in der Planung. Es steht zu hoffen, dass technische Gigantomanie nicht das gesamte Gesicht der Insel ändern wird.
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