Unter einem Kontinent pflegt man sich eine Festlandsmasse
vorzustellen, zu der auch einige Inseln in nicht zu großer
Entfernung gehren können. So gesehen, ist Australien kein Kontinent;
denn die Inseln, die man ihm zurechnen müsste, weit über 10 000 an
der Zahl, sind über ein Gebiet verstreut, das rund 70 Millionen qkm
groß ist, rund zehnmal größer als das eigentliche Australien (der
Staat Australien). Darum unterscheidet man zwischen Australien
(7,687 Millionen qkm und 11,8 Millionen Einwohner) und Ozeanien
(rund 1,2 Millionen qkm und etwa 6 Millionen Einwohner). Ozeanien
besteht aus drei großen Inselgruppen : Mikronesien (u. a. Marianen,
Karolinen, Marshall- und Gilbert-Inseln), Melanesien (u. a.
Neuguinea, Bismarck-Archipel, Salomon-Inseln, Neue Hebriden,
Fiji-Inseln und Neukaledonien) und Polynesien (u. a. Neuseeland,
Tonga-, Samoa-, Gesellschafts-, Oster-, Marquesas- und
Hawaii-Inseln). Die meisten dieser Inseln sind vulkanische
Hochinseln oder niedrige Koralleninseln, die wie auch Australien von
Südostasien her vom 3. Jahrtausend v. Chr. bis gegen 1400 n. Chr.
nach und nach besiedelt worden sind. Die schrittweise Entdeckung
dieser Inseln durch die Europäer begann mit der Erdumseglung
Magellans (1519-21) und ging erst im späten 18. Jh. zu Ende.
Australien selbst wurde in der ersten Hälfte des 17. Jh. von
Spaniern und Niederländern entdeckt, aber nicht in Besitz genommen.
Der Seefahrer James Cook ergriff 1770 von Australien für England
Besitz, und die Engländer richteten hier ab 1788 Sträflingskolonien
ein. Den Sträflingen folgten ab 1829 auch freie Kolonisten. In
Australien und auf den Inseln Ozeaniens erwarten den Besucher keine
Bau- und Kunstdenkmäler. Es sind höchstens in einigen Museen (z. B.
in Sydney) völkerkundliche Gegenstände zu sehen. Dafür bietet aber
besonders die Inselwelt Ozeaniens eine derartige Fälle an
farbenfrohen Bildern von Landschaften und Volksleben, dass man Bau-
und Kunstdenkmäler kaum vermissen wird. Die Farben sind so leuchtend
und intensiv, dass man an manche Ansichtskarten aus südeuropäischen
Ländern erinnert wird, an Karten, die man eben wegen ihrer Farben
als kitschig bezeichnet hat. In dieser Welt Ozeaniens zeigt es sich,
dass solche Farben naturgetreu und echt sind und man wird sie sehr
schnell nicht mehr als kitschig empfinden. Im Gegensatz zu der meist
verfeinerten und oft geradezu raffiniert anmutenden Exotik mancher
asiatischer Länder gibt es in der Südsee, in der Ozeanien liegt, in
Wesen und Umwelt der Menschen noch eine ursprüngliche und
unverfälschte Exotik, die dazu verlockt, mit Kopraschonern oder
Auslegerkanus von Insel zu Insel zu fahren. Allerdings ist auch
hier, insbesondere auf der Insel Tahiti, jene Welt, die der
französische Maler Paul Gauguin (1848-1903) in seinen Südseebildern
dargestellt hat, von einer Verfälschung durch Kommerzialisierung
bedroht.