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Hotel & Ferienwohnung Nordsee
Nordstrand
Wie genau es vor der großen Flut von 1362 im Bereich der heutigen Insel Nordstrand ausgesehen haben mag, lässt sich nur noch schwerlich nachvollziehen. Die heute noch so genannten Uthlande ("Außenlande") waren ein undurchdringlicher Moor- und Bruchwalddschungel, durchzogen von Wasserläufen und zur See hin von einer Dünenlinie begrenzt. Hier gingen See und Land ineinander über, und alte Karten gleiten im Bemühen einer Rekonstruktion des damaligen Nordfrieslands deshalb nachweisbar ins Reich der Fantasie ab. Die Küste des "Cimbrischen Meeres" war ständig im Umbruch. Schon anno 1216 und 1230 hatten sich verheerende Sturmfluten ereignet, die Zehntausenden von Menschen das Leben kosteten. In den drei grauenvollen Tagen 15.-17. Januar 1362 wurde der Region der Todesstoß versetzt. Weite Landstriche um die heutigen Inseln Nordstrand und Pellworm, darunter die sagenumwobene Hafenstadt Rungholt, verschwanden in der See. Einhunderttausend Menschen sollen damals ertrunken sein. Die große, gekrümmte Insel "Strand" blieb zurück, "ein Land von wunderbarer Fruchtbarkeit," wie es in alten Annalen heißt. Unter der wechselnden Oberhoheit dänischer Könige und schleswigscher Herrscher erlebte Alt-Nordstrand über 250 Jahre hinweg eine auf Ackerbau und Viehzucht basierende wirtschaftliche Blüte. In der Nacht vom 11. zum 12. Oktober 1634 brach erneut das Unheil herein. Die gewaltige Flut kam nach Aussage damaliger Chronisten völlig überraschend: "Die finstere Nacht hat vielen die große Gefahr verborgen ... einige sind in ihren Betten im festen Schlafe weggetrieben ... andere haben sich, ihre Weiber und Kinder mit Stricken aneinander gebunden, dass sie in Liebe vereint, durch die grausamen Wellen nicht getrennt werden möchten. Viele haben sich auf die Dächer begeben und sind mit denselben als auf einem Schiff herumgeführt worden, welches aber bald in den Wellen zerbrach ..."
Und: "Als dann der Morgen graute, bot sich den Überlebenden ein unbeschreibliches Bild der Verwüstung. Die Deiche der Insel waren an 44 Stellen durchbrochen ... 30 Mühlen und nahezu alle Häuser, nämlich über 1300, lagen in Trümmern, nur die festen Kirchtürme ragten noch unversehrt wie kolossale Grabsteine über dem wilden Chaos empor." Das offizielle "Verzeichnis der Menschen, so den 11. Oktober 1634 in der Nacht im Nordtstrände in der hohen Wasserflut jämmerlich ertrunken und umgekommen," führt 6123 Opfer und zudem 30.000 Stück totes Vieh auf. Das Inventar der stehengebliebenen Kirchen konnte gerettet werden. Sie standen — 19 von 22 — später im Watt und zerfielen allmählich Ende alles Menschengemachten. Heute dehnt sich an diesen Stellen der platte Meeresboden. Der Schock dieses Geschehnisses ließ die Nordstrander wie betäubt zurück. Erst 1654 machte man sich wieder daran, neue Köge mit Hilfe von größtenteils katholischen Holländern einzudeichen. Außer ihrer Sachkenntnis im Deichbau brachten die Gäste eine neue religiöse Variante mit nach Nordstrand. Die sogenannten Jansenisten waren von Rom abtrünnig geworden und praktizierten ihren eigenen altkatholischen Glauben. 1662 bauten sie sich ihre eigene Kirche auf Nordstrand. Eine entsprechende Kirchengemeinde, St. Theresia, existiert noch heute, Zentrum für diese Glaubensrichtung in ganz Norddeutschland. Eine Neubedeichung der Insel gestaltete sich auch weiterhin mühsam; besonders zu Beginn des 18. Jahrhunderts gab es schwere Rückschläge. Der dem Festland am nächsten gelegene Pohnshalligkoog wurde erst 1923 eingedeicht, eine Dammverbindung zur Küste 1935 geschaffen. 1962 gab es noch einmal schwere Schäden; die Außendeiche konnten nur mit Mühe gehalten werden.
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