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Hotel & Ferienwohnung Nordsee
Das Nordseeklima
Die Nordsee liegt ziemlich mittig im Bereich der Zugbahnen nordatlantischer Tiefdruckgebiete, die sich am quasistationären Azoren hoch vorbeidrücken müssen. Deshalb weist sie fast ständig wechselndes und häufig windiges bis stürmisches Wetter auf. Dies ist die sogenannte Westwindtrift. Ein von den Britischen Inseln herannahendes Tief kündigt sich in der Regel durch südwestliche Winde an. Nach Durchzug einer Warmfront mit Regen und einer Kaltfront mit Schauern springt der Wind dann gewöhnlich auf nördliche Richtungen uni, meistens Nordwest, und es wird klarer und kälter. Dies ist das "typische" Nordseewetter, dessen Wechselhaftigkeit nie die Langeweile eines permanent blauen Himmels aufkommen lässt, andererseits aber auch auf allen Küsten- und Inselreisen die Mitnahme des wasserdichten gelben "Friesennerzes" voraussetzt. Die mitunter zum Extremen neigenden Wetterverhältnisse und ihre Folgen haben der Nordsee das schlimme Beiwort "Nordsee" eingetragen. Zwar ist sie nur fünfmal so klein wie das Mittelmeer, und ihr Volumen beträgt weniger als 0,01% der globalen Seewassermenge. Aber ein Ententeich ist das "atlantische Randmeer" dennoch nicht. Das hat seine Geschichte bewiesen, seit man diese entlang seiner Gestade aufzuzeichnen begann. In der Julianenflut kamen 1164 mehr als 20.000 Menschen ums Leben. Die Lucia-Flut von 1287 forderte 50.000 Opfer; die verheerendste aller Sturmfluten, die Grote Mandrenke vom 16. Januar 1362, mindestens die doppelte Zahl. Tausende ertranken auch in der Antoniflut des Jahres 1511. Nordfriesland allein beklagte mehr als 8.000 Tote, als die Buchardiflut 1634 über die Inseln und Halligen hinwegbrächt. Die schreckliche Weihnachtsflut von 1717 bleibt bis heute an der Küste unvergessen. Überall entlang der Nordsee kennt man auch noch die Namen blühender Ortschaften, die spurlos verschwanden: Itzendorf bei Norddeich; Otzum bei Neuharlingersiel; Jadeleh, Dauens und Bant am Jadebusen; Rung holt im Nordfriesischen und noch viele mehr. "Landunter", so der gängige Ausdruck an der Küste, gab es auch am 17. Februar 1962, als die Nordseedeiche an 61 Stellen brachen und selbst das 80 km elbaufwärts gelegene Hamburg zu einem Fünftel zur Wasserwüste wurde. 315 Menschen starben in dieser Jahrhundertflut, wie sie in den Medien genannt wurde. In der Holland-Flut, just elf Jahre zuvor, waren sogar 1851 Menschen ums Leben gekommen; 300.000 mussten vor den Wassermassen flüchten. Die oben geschilderte meteorologische Konstellation mit jäh umspringenden Winden von Sturmstärke ist, wie gesagt, typisch für die Nordsee und trägt für den Inselfahrer zu manchem Reiz bei. Doch ein Zuviel davon, gar noch gekoppelt mit überhohen Springtiden, kann für die deutsche Nordseeküste nicht weniger katastrophale Folgen haben als 1962 immer noch. Riesige Mengen Wassers werden vom Sturm zunächst durch den Englischen Kanal gepresst, um in der Deutschen Bucht, wo es nicht mehr weitergeht, einen regelrechten Berg zu bilden. Hinter diesen fasst der Nordwest dann und schiebt ihn in die Trichter der Flussmündungen potentielles Landunter! In den Niederlanden befasst man sich bereits mit dem ketzerischen Gedanken, der See wieder einiges mühsam gewonnene Land zurückzugeben, um den Druck auf die Küste zu verringern. Solche Überlegungen werden aus gutem Grund angestellt, denn sie sind auf lange Sicht von nackter Not diktiert. Noch ist nicht genau abzusehen, ob und wie schnell das Erdklima sich, unter anderem durch menschengemachte Auslöser, erwärmen wird. Doch der Meeresspiegel kriecht langsam, aber stetig höher. Schlimmer noch: Die Energie des Seegangs und der Brandung wächst fortwährend an; das Hämmern auf die Küsten verstärkt sich. Zwar hat die Kraft der Sturmtiefs nur unwesentlich zugenommen, falls überhaupt. Superstürme hat es schon immer gegeben. Doch neuerdings ist sogar von "Mammuttiefs" die Rede, der Definition nach Druckgebilde, die ein normales Barometer gar nicht mehr anzeigen kann. Sicher ist: Wenn Winde von Hurrikan stärke über die Nordsee hinweg toben, werden an der Küste nicht nur ein paar Dachpfannen wegfliegen. Landunter heißt es dann vor allem auf den Inseln und Halligen. Wie viel dort bereits zu Bruch gegangen ist, zeigt die Geschichte. Doch der Blanke Hans nagt ewig weiter. Die ostfriesischen Inseln, driftende Sandbänke allesamt, bewegen sich nach und nach gen Osten, mit dem kleinen Trost allerdings, dass der westliche Abbau am anderen Ende meistens wieder anwächst. Aber dieser Trost ist schwach. Auf 40 m näherten sich die Fluten im Winter 1992/93 den ersten Gebäuden Langeoogs, einer an und für sich recht stabilen Insel. Tausende von Kubikmetern Sand mussten nachgespült werden, um das Ufer zu festigen. Das sind Kosten, die keine Kurtaxe mehr trägt und für die Land und Bund einspringen müssen. Ähnlich sieht es auf den Nordseeinseln fast überall aus. Ein Kampf gegen Windmühlenflügel wird vor allem auf Sylt ausgetragen. Trotz heftigster Gegenwehr gehen der 99 km2 großen Insel alljährlich 170.000 m2 Substanz verloren für immer. Um anderthalb Meter weicht an der Westküste die Strandlinie jedes Jahr, Tendenz zunehmend. Modernste Großtechnik kommt zum Einsatz, um den Abbau, wenn schon nicht aufzuhalten, so doch zumindest zu verlangsamen. Doch das dafür ausgelegte große Geld ist nur für den Moment gut und bleibt letztlich in den Sand gesetzt. Die Geologen sind sich einig, dass die Nordseeinseln in spätestens 600-700 Jahren von der Karte verschwunden sein werden und noch viel eher, falls der Treibhauseffekt richtig zum Greifen kommen sollte. Auch die Holländer täten nach Ansicht der Fachleute gut daran, sich trotz aller Wasserbaukunst schon jetzt nach höher gelegenen Asylen für ihre Nachkommen umzusehen. Noch allerdings sind die schönen Nordseeinseln da. Und auch wenn die Winde rau wehen zumindest die Temperaturen sind recht ausgeglichen. Auf den Inseln wird es nie zu heiß und sehr selten einmal wirklich kalt. Dafür sorgt auch weiterhin der nicht allzu weit entfernte Golfstrom. Der Monat mit den höchsten Temperaturen ist auf allen Inseln der August mit einem maximalen täglichen Mittel von 20° C. Das Thermometer kann auch höher klettern, doch fast immer mildert Wind die Hitze. Den meisten Sonnenschein gibt es überall im Juni. Sylt erreicht hier mit 261 Stunden ein ausgeprägtes Maximum (Borkum im Vergleich: 226 Stunden). Man spricht in der Tat im Bereich Nordfriesland von einer regelrechten Sonnenküste. Der dunkelste Monat ist der Dezember; auch Sylt kommt hier nur auf 41 Sonnenstunden. Die Wassertemperaturen auf den Inseln erreichen im Juli und August 17° C und fallen außerhalb dieser Monate rasch auf erheblich kühlere Werte ab. Doch dies sind statistische Erhebungen, die allenfalls einen Überblick vermitteln, aber natürlich nichts über das Wetter von einem Tag auf den anderen aussagen. Für die Nordsee gilt: Voller Optimismus anreisen, aber immer auf das Schlimmste gefasst sein!
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