Einstmals wurde an der Küste und auf den Inseln fast nur Friesisch
gesprochen. Doch von der friesischen Sprache ist wenig übrig
geblieben. In den Niederlanden wurde sie schon vor langem als
Schulfach abgeschafft, und auch in Deutschland ist sie in den
siebziger Jahren fast ausgestorben. Nur im hohen Norden, vor allem
auf Föhr und Amrum, wird sie von einer Minderheit noch mit viel
Engagement gesprochen, und es steht zu hoffen, dass diese schütteren
Sprachinseln auch weiter erhalten bleiben. Wesentlich besser hat das
Plattdeutsche abgeschnitten, das in verschiedenen Färbungen von fast
20 Millionen Menschen im Land gesprochen oder verstanden wird.
"Platt", im Gegensatz zum drögen (auch ein "plattes" Wort)
Hochdeutsch ein eher pausbackiger Großdialekt, hat in den letzten
fünfzehn Jahren sogar eine Renaissance erlebt und ist salonfähig
geworden. Es liegt gegenwärtig "voll im Trend" und hat seinen festen
Platz in Funk und Fernsehen, Literatur und Musik. Sogar Zugereiste
bemühen sich an der Küste jetzt schon mal, Platt mit den
Eingeborenen zu "schnacken", rührend mitunter. Plattdeutsch ist, wie
sein Name sagt, eine deutsche Mundart. Das heißt, es ist keine
archaisch-fremde Sprache wie das Friesische, obwohl es aus diesem
zahlreiche Elemente bezieht. Typisch und für Binnenländer
erklärtermaßen völlig unverständlich ist auch der Gruß Moin, moin,
der im Oldenburg-Ostfriesischen am häufigsten ist, aber sich an der
gesamten Küste verbreitet hat. Man grüßt dieserart zu jeder
Tageszeit, und eben das finden die Besucher so befremdlich. Aber
nicht der Morgen liegt dem Wort zugrunde, sondern das westfriesische
mooi gut. Der Gruß bedeutet so etwas wie "Alles Gute", liebenswert
genug.