Lage: Ägypten (arab. Misr) liegt im äußersten Nordosten von
Afrika und erstreckt sich vom Roten Meer und der Halbinsel Sinai im
Osten über die Arabische Felswüste und das Niltal bis in die
Libysche Wüste im Westen; den Norden begrenzt das Mittelmeer, den
Süden der Sudan. Es gliedert sich in Unterägypten (vom Mittelmeer
bis Kairo), Oberägypten (von Kairo bis Assuan) und Nubien (südlich
von Assuan bis Wadi Haifa). Das Reiseziel Ägypten, das seinen Namen
vom altägyptischen hakaptah (Haus des Schutzgottes Ptah") herleitet,
führt uns zu den Resten einer versunkenen Hochkultur mit ihren
Pyramiden, Tempeln und reich ausgestatteten Grabanlagen. Daneben
stehen die zierlichen Minaretts arabischer und türkischer Moscheen
im bizarren Gegensatz zu ultramodernen Stadtvierteln. Die
vorgeschichtlichen Reiche Ober- und Unterägyptens vereinigt Pharao
Menes (um 3000 v. Chr.) mit Memphis als Hauptstadt. Dieses Alte
Reich' verfällt mit der 6. Dynastie um 2270 v. Chr. Ihm folgt nach
einer Zwischenzeit das Mittlere Reich" (2100 bis 1700 v. Chr.) und
nach Vertreibung der eingefallenen vorderasiatischen Hyksos das Neue
Reich" (1555-1090 v. Chr.), dessen bekanntester Herrscher Ramses 11.
(1292-1225 v. Chr.; 19. Dynastie), der Zeitgenosse Mose, wird.
Mittelpunkt sind Theben und Memphis. Vom 8. bis zum 4. Jahrhundert
sieht Ägypten nubische, assyrische und persische Herren, bis es 332
v. Chr. von Alexander dem Großen erobert wird. Seine Nachfolger, die
Ptolemer, machen das Land nochmals zum hervorragendsten Staat am
Mittelmeer, bis es mit Kleopatras Tod 30 v. Chr. zur römischen
Provinz wird. 640 fällt Ägypten den Arabern zu, und 1517 nehmen es
die Türken für fast 400 Jahre in Besitz; die tatschliche Herrschaft
üben aber Mamelucken-Sultane (Söldnerführer) aus, deren Macht
Napoleon 1798 bricht. 1841 begründet der türkische Pascha Mohammed
Ali die letzte Dynastie. Der Bau des Suezkanals (1859-69) verstärkt
den Einfluss der Kolonialmächte, der mit der Besetzung Ägyptens 1882
durch England seinen Höhepunkt findet. 1922-53 ist Ägypten nominell
ein unabhängiges Königreich und seither eine Republik, die sich 1958
mit Syrien zur Vereinigten Arabischen Republik" verbindet. Trotz
Lösung des Bundes 1961 wird der Name für Ägypten beibehalten, das
wieder eine der bestimmenden Kräfte im Vorderen Orient darstellt.
Die altägyptische Religion lässt Lokalgottheiten zu Großgöttern
werden, wie Ptah von Memphis und Amon von Theben. Dieser wurde seit
dem Mittleren Reich" mit dem Sonnengott Reh identifiziert und so zum
Reichsgott. Daneben gab es u. a. Hathor (Göttin der Freude), Anubis
(Totengott) und Thoth (Gott der Wissenschaft). Im Neuen Reich"
gewannen Osiris (Vegetationsgott, später Totengott) und die
Muttergöttin /sis großes Ansehen, deren Sohn Horus (Sonnengott) der
Schutzpatron der Pharaonen war. Anzenophis IV. (Echnaton; 1375-1358
v. Chr.), der Gatte Nofretetes, versuchte einen Eingottglauben
(Aton) einzuführen. Die bildende Kunst Altägyptens bestimmt durch
drei Jahrtausende ein Sinn für Ordnung und Monumentalität. Der
älteren Periode gehren die Pyramiden von Gizeh und Sakkara als
Grabanlagen von Pharaonen an. Die höchste Blüte tritt im Neuen
Reich" ein: mächtige Tempelanlagen (Karnak, Luxor, Phil) mit
gewaltigen Tortürmen (Pylonen), Alleen von Widdern und Sphinxen,
riesige Sitzbilder von Königen und bis 30 Meter hohe Obelisken sowie
Felsgrüber (Theben) und Grottentempel (Abu Simbel) zeugen davon.
Plastik und Malerei, vor allem in Verbindung mit Tempeln und Gräbern
(als Wandschmuck) sind im Alten Reich" noch sehr realistisch, werden
aber später meist steif und schematisch. Das Klima Ägyptens ist
durch Niederschlagsarmut, milde Winter und trockenheiße Sommer
gekennzeichnet. 99/0 des Landes sind unfruchtbar; Kulturland sind
nur die 3-20 km breite Flussoase des beim Victoriasee (Ostafrika)
entspringenden, 6500 km langen Nils und die kleinen Oasen westlich
davon. Stauwerke in Assuan und Assiut regeln die Bewässerung, die
durch Pumpwerke oder alte Schöpfröder auch auf die höher gelegenen
Felder gelangt. Wirtschaftsgrundlage ist der Ackerbau, sein
wichtigstes Erzeugnis die Baumwolle (700/0 der Ausfuhr); daneben
werden Weizen und Zuckerrohr, im Nildelta auch Reis gebaut.
Arbeitstier ist der Büffel, Last- und Reittier der Esel, in
Wüstengegenden auch noch das Kamel. An Bodenschützen gibt es Eisen,
Phosphate und Erdl. Die Industrie ist im Ausbau. Staatsform: Die
Vereinigte Arabische Republik" (Al Jurnhuriya Al Arabia Al Mutahida)
ist eine präsidiale Republik. Ihre Gesetzgebung obliegt einem
Präsidentschaftsrat, dessen Vorsitzender die weiteren Mitglieder
bestimmt. Bevölkerung: Die Einwohner, die fast zu 95% in der Niloase
leben, sind in den Städten meist arabischer oder türkischer
Herkunft, während die Landbevölkerung (Fellachen) noch stark den
alten Ägyptern ähneln; die rassisch reinsten Abkömmlinge Altägyptens
sind die in Oberägypten heimischen Kopien. Minderheiten bilden
Sudanesen, Levantiner und eine kleine Gruppe Europäer (Griechen,
Italiener). Rund 92% der Bevölkerung bekennen sich zum Islam
(sunnitischer Richtung); unter dem Rest stellen die christlichen
Kopten, eine monophysitische Sekte, mit 9/0 die größte Gruppe. Die
Landessprache ist das West-)Arabische. Englisch wird in den Hotels,
Restaurants und großen Geschäften verstanden, Französisch nur
selten. Der gute Ton: Vergessen Sie nicht, vor dem Betreten einer
Moschee die Schuhe auszuziehen. Fotografieren während der Gebete
zeugt von wenig Ehrfurcht; fotografiert man Bettler etc., sollte man
ein Bakschisch geben. Feiertage: Der Freitag ist offizieller
Feiertag. Neben den staatlichen Festtagen 23. Juli (Revolutionstag),
Überflutung des Nils (zweite Augustwoche) und 23. Dezember
(Siegestag) gibt es wechselnde religiöse Feiertage, die vom
Mondkalender abhängen: Fastenmonat (Ramadan), islamisches Neujahr
und Mohammeds Geburtstag (Mawled en Nabi); Sham el-Nessim ist der
koptisch orthodoxe Ostermontag. Ärztliche Versorgung: In den großen
Städten gibt es staatliche und private Spitäler mit englisch und
französisch sprechendem Personal. Kleidung: Im Sommer wählt man
leichte Kleidung, Kopf- und Nackenbedeckung sowie Sonnenbrille, im
Winter Übergangskleidung und leichte Wollsachen.