Die gotländische Küste ist sehr abwechslungsreich und erstreckt sich (einschließlich der für den ausländischen Inividualreisenden gesperrten Gebiete von Färö und Gotska Sandö im Norden) über rund 650 km, was ungefähr der Strecke von Stockholm bis nach Malmö entspricht. Die Westküste ist vor allem durch die steil abfallenden, weißen Kalkklippen (Klint) und den vorgelagerten schmalen Küstensaum aus Steinfeldern, Strandwiesen und Sanddünen geprägt. Sie wird in ihrem nordwestlichen und südlichsten Teil zusätzlich durch die pittoresken Raukargebiete in ihrem schroffen Charakter verstärkt. Es gibt hier keine vorgelagerten Schären oder Holme wie auf der Ostseite; von Högklint bis Hallshuk kaum Buchten, sondern lediglich eine leicht geschwungene Uferlinie. Südlich von Högklint gestaltet sich die Westküste allmählich weniger dramatisch. Hier gehen die Ufer allenthalben verstärkt zurück, und in den kleinen Buchten, in die mitunter einer der wenigen Bäche aus dem Inselinnern mündet, findet man weite Dünen aus hellem, feinem Sand. Diese Formation reicht bis zu der großen Einbuchtung von Burgsvik. Bei Tof ta befindet sich der größte zusammenhängende Sandstrand der Insel überhaupt. Im Süden hat die Westküste eine kaum noch zu überbietende Dramatik: Steil abfallender, schroffer und zerklüfteter Kalkfels und ins Meer hinausragende Raukar. Sie stehen an manchen Stellen nicht nur im Strandbereich sondern ebenfalls einige hundert Meter das Land hinauf, wurden vor Jahrtausenden geformt und seitdem von Wind und Wetter zernagt, durchlöchert und ausgehöhlt. Sie sind Überreste der Küstenlinien ehemaliger Entwicklungsstadien der Ostsee, wo sie im Brandungsbereich als Riffe erhalten blieben. Heute stehen sie allein oder in Gruppen und bieten durch ihre oft skurrilen Ausformungen, die an Menschen- oder Tiergestalten, nicht selten an Fabelwesen erinnern, vielerlei Anregungen für die Phantasie des Betrachters. Dort, wo sie landeinwärts stehen, zeigen sie dem geologisch Interessierten überdies an, wo einst die Küstenlinie verlief. Von der Arbeit des Meeres künden auch die mancherorts steil in die See abfallenden Kalkklippen. Das Högklint südlich von Visby zeigt dies auf besonders eindrucksvolle Weise. Dieser in mehreren Terrassen, die viele dereinst von der See ausgespülten Höhlen und Nischen aufweisen, überstehende Klintabbruch, ragt imposant rund 50 Meter über dem Wasserspiegel auf und bietet von seiner Spitze aus einen großartigen Ausblick nach Süden auf Ostsee und Küstenlinie und nach Norden auf die Stadt Visby. Dieser Küstenabschnitt ist vor allem am späten Nachmittag (bzw. frühen Abend während der Sommermonate), wenn die sinkende Sonne die Szenerie besonders prägnant ausleuchtet, sehr eindrucksvoll.