Die Rettung von Seevögeln, die vom Öl angegriffen sind, ist nicht möglich. Es sind außerordentlich menschenscheue Tiere, die, wenn sie könnten, auch ihre Eier noch aufs Wasser legten. Gelangt nun ein verölter Seevogel doch außerhalb der Brutzeit an die Küste, und kann man ihn dann obendrein noch einfangen, so kann man sicher sein, daß dieser Vogel nicht mehr lange zu Leben hat. Schon kleine, pfenniggroße Flecken können die Ursache sein. Selbst eine minimale Menge Öl, die der Vogel beim Putzen seines Gefieders schluckt, reicht aus, um den Magen- und Darmtrakt verdauungsunfähig zu machen. So traurig es ist: Vogelverölung zählt heute zum Nordsee-Alltag. Seevögel sind sehr sozial lebende Tiere. Sie treten oft in größeren Gruppen auf. Daher sind meistens nicht nur ein oder zwei, sondern meist Hunderte von Vögeln vom sicheren Tod bedroht. Von dieser schleichenden Ölpest sind in der Nordsee hauptsächlich die Trottellumme und die Dreizehenmöwe betroffen. An der Küste, im Wattgebiet, sind es die Tauchenten (Eiderenten, Trauerenten), die den größten Schaden erleiden. Aber nicht nur das Öl bedroht das Leben unserer Vogelwelt. Die allgemeine Verunreinigung des Nordseewassers betrifft die Vögel ebenso wie die Fische. Sie leben von Tieren, deren Organismus mit Schwermetallen und anderen Schadstoffen belastet ist. Diese Schadstoffe gelangen in den Vogelkörper, was einerseits zu Schwächungen von Leber und Niere führt, andererseits aber auch bestimmte Verhaltensweisen, wie zum Beispiel die Fortpflanzung, beeinträchtigen kann. Weiterhin können die Schmutzbelastungen dazu führen, daß die Schale der gelegten Eier zu dünn oder brüchig wird. Da der Kalkhaushalt der Tiere empfindlich gestört ist, werden die Eier nicht mehr richtig ausgebrütet — die Folge: Der Nachwuchs bleibt entweder ganz aus oder es werden weniger Vögel ausgebrütet als zuvor. Diese indirekten Ver- schmutzungswirkungen kommen sehr viel häufiger vor, als die akute Ölverseuchung der Vögel. Trotzdem geht der Bestand an Seevögeln zur Zeit noch nicht bemerkenswert zurück, und zwar aus zwei Gründen: Zum einen reagieren die Vögel sehr unterschiedlich auf Schadstoffe und zum anderen gibt es in der Nordsee noch so viele Vögel, daß die Zahl derer, die durch die Verschmutzungsfolgen umkommen, noch keine wesentliche Bestandsverminderung darstellt. Schnell sichtbar und meßbar kann eine Verringerung der Bestände nur dann eintreten, wenn irgendwo an einer bestimmten Stelle Öl oder ein anderer Schadstoff konzentriert auftritt und möglicherweise eine ganze Brutpopulation betroffen ist, wie zum Beispiel bei den großen Tankerunfällen im Englischen Kanal. Wenn man aber die Nordsee insgesamt betrachtet, läßt sich eine Dezimierung der Bestände nur sehr schwach feststellen. Die Seevögel von Grönland bis zum Beringmeer sammeln sich im Winter in den gemäßigten Breiten, weil es ihnen dann im Norden zu kalt ist. Während des Winters sterben von der einen Population vielleicht 50, von einer anderen vielleicht 100 durch Öl oder andere Schadstoffe. Die ganze Art aber ist viele tausend Tiere stark. Eine erkennbare Verringerung der Bestände läßt sich daher kaum bestimmen.

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