Die größte Stadt und das Zentrum des Nordens (13700 Einw.) liegt 750 km nördlich von Bangkok. Das Klima ist hier, 310 m über dem Meeresspiegel, weniger heiß und feucht als in Bangkok. Die Stadt und ihre Umgebung bieten mit ihren Tempeln, zahlreichen Bergstämmen, einer abwechslungsreichen Berglandschaft und dem Kunsthandwerk der städtischen und ländlichen Bevölkerung etwas für jeden Besucher. Am Westufer des Ping-Flusses gelegen, sind in der Altstadt noch Wassergraben, Wälle, Stadttore und zahlreiche Sakralbauten erhalten. Auch die Umgebung Chiang Mais ist landschaftlich und kulturhistorisch. Die Stadt liegt in einem fruchtbaren Talbecken. Zu Beginn unserer Zeitrechnung war das Gebiet von Chiang Mai von den Lawas, ethnisch verwandt mit den südlich lebenden Mons und den im Osten heimischen Khmer, bewohnt. Nachfahren dieses Volkes leben noch heute in abgeschiedenen Berggegenden. 1254 verließen einige Thai-Stammesverbände unter dem Druck Kublai Khans ihre Weidegebiete in Yunnan und zogen, wie schon früher, in die am Oberlauf des Mekong gelegenen Gebiete von Chiang Saen, Chiang Khong und Chiang Rai. Mit den schon zuvor hier ansässigen Thai-Stämmen bildeten sie das Königreich Lanna Thai, d. h. „Million Reisfelder der Thai”. Der erste bedeutende König, Mengrai aus Chiang Saen, war einer der drei Fürsten, die 1287 den „Ewigen F’reundschaftspakt” schlossen, wodurch er freie Hand im Kampf gegen die Mon und Birmanen bekam. Weil sich sein Staat durch Eroberungen ausdehnte und seine Residenz Sarapee häufig Überschwemmungen
ausgesetzt war, suchte er einen günstigen Platz für eine neue Hauptstadt. Dieser wurde 1296 im Schatten des Berges Doi Suthep gefunden: Auf einer Lichtung sollen sich
zwei weiße Rehe und eine Familie weißer Mäuse getroffen haben. Dies wurde als günstiges Omen betrachtet, und an jener Stelle entstand Chiang Mai. In 4monatiger Fronarbeit von 90 000 Kriegsgefangenen entstand die neue Residenz in Form eines Rechtecks, genau nach den Vorschriften des von den Khmer praktizierten Städtebaus. Da die Thai als Hirtenvolk keine Fachkräfte und Handwerker hatten, brachte Mengrai von Streifzügen nach Birma Eisen-, Silber-, Goldschmiede, Wagner und Töpfer mit und siedelte sie in seinem Staat an. Als er
nach 59 Regierungsjahren 1317 starb, hinterließ er ein geordnetes Staatswesen, das auch kulturelle Leistungen hervorgebracht hatte. Das 1350 entstandene Ayuthya-Reich (Siam) entwickelte sich zum ständigen Gegenspieler: 1411, 1442 und 1515 kam es zu Kriegen mit wechselndem Ausgang. Aber erst die Birmanen konnten 1556 Lanna Thai erobern. 260 Jahre war Chiang Mai eine unabhängige Hauptstadt geblieben. 1775 nahm Taksin Chiang Mai den Birmanen weg. Das Gebiet wurde nun ein abhängiges Fürstentum unter
siamesischer Oberhoheit. Erst um 1900, als von Bangkok ein Gouverneur ernannt wurde, kam das Gebiet zu Siam. Wat Phra Singh liegt in der Altstadt, am Westende der Phra Singh Road. Es ist das bedeutendste Kloster der Stadt und wird „Großer Tempel” genannt. Der Abt ist das örtliche geistliche Oberhaupt. 1345 erbaute König Pa Yo einen Chedi (er steht heute hinter dem Vihara) zur Aufnahme der Asche seines Vaters. König San Muang Ma kam 1389 in den Besitz des berühmten Phra Singh oder Phra Sihing, einer Buddha-Sitzstatue in der Haltung der Zeugnislegung, die nach wechselvollen Geschehnissen von Ceylon nach Chiang Mai in den kleinen Vihara des Tempels kam. Im größeren Vihara stellen eine 2,30 m hohe sowie eine 60 cm kleine Statue den „Sieg über Mara” dar (der Dämonenkönig Mara wollte Buddha durch seine hübschen Töchter in Versuchung führen). Der große Vihara
wurde 1518 erbaut; bald darauf kamen die Birmanen: Sie erbauten den kleinen Bot und stellten die typisch birmanischen Löwenpaare (Rajasinghas) vor den Eingängen auf. Die Wandfresken des Bots aus dem 16. Jahrhundert blieben erhalten. Ein rotgoldenes Gebäude mit einem weißen Erdgeschoß ist die 1920 im klassischen Thai-Stil erbaute
Bibliothek. Bei Reparatur- und Bauarbeiten fand man im Bereich dieses Wats eine Anzahl von goldenen Kultgeräten aus der LannaThai-Zeit. Wat Chedi Luang liegt östlich des Wat Phra Singh an der Phra Pokklao Road. Er nimmt den zweiten Rang unter den Tempeln Chiang Mais ein. Das Kloster im Stadtzentrum wurde 1401, als König San Muang Ma starb, mit einem kleinen Chedi erbaut. Als der Geist des Verstorbenen birmanischen Händlern erschien und einen hohen Turm erbat, der weithin sichtbar sein sollte, erbaute die Witwe einen 86 m hohen Chedi, dessen Basis 54 m breit war. 1441 ließ der Enkel des Königs, Tiloka, nach Plänen der Pagode von Bodh Gaya in Indien den Chedi noch einmal auf 90 m Höhe und 70 m Basisbreite aufstocken. Der Bau besteht aus Ziegeln und Laterit. Elefantenkopfund Buddhaplastiken schmücken die aufsteigenden Terrassen. Ein Erdbeben und ein Wirbelsturm brachten den Chedi 1545 zum Einsturz. Der Vihara hat ein dreigestaffeltes Dach. Der Zugang ist mit Nagaschlangen und Pfauen, das Giebelfeld mit Erawan, dem dreiköpfigen Elefanten inmitten eines Blattwerkschmuckes, geziert. Ein 9 m großer, gehender Buddha, um 1440 gegossen, eine Anzahl kleinerer Statuen und kunstvoll geschnitzte Elefanten-Stoßzähne
stehen im Vihara zur Schau. Im Tempelbereich gibt es viele kleine Chedis, die Asche verstorbener Prominenter enthalten. Links vom Eingangstor steht ein hoher Bodhi-Baum, von dem es heißt, wenn er einmal absterbe, gehe Chiang Mai zugrunde. In der Nähe wurde anstelle des alten Holzbaus 1940 ein kleines Gebäude errichtet. Hier hat Lak Muang oder
Sao Inta Kin, der Schutzgeist der Stadt, seinen Sitz. Das 1296 von König Mengrai erst- mals erbaute Häuschen wurde mehrfach verlegt, zuletzt an diese Stelle beim Wat
Chedi Luang.

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