In Ibiza treffen die Ferienreisenden heute mit Filmstars, Hochstaplern, Künstlern und den letzten Hippies zusammen aber auch mit Inselbewohnern, die zur Arbeit noch manchmal ihre malerische Tracht tragen. Die strahlende Sonne hilft, diese kulturellen Kontraste zu mildern. Vielleicht ist es gut, gleich mit einigen Vorurteilen aufzuräumen. Ibiza ist keineswegs ein langweiliger Mittelmeerfelsen, der nur wegen seines brandungsfreien Strandes Touristen aus aller Welt anzieht. Ibiza ist nicht so exotisch, daß einem Speisen und Getränke den Atem verschlagen. Und obwohl spanisch, ist es kein typischer Schauplatz für Stierkampf und Flamenco. Die Ibizenkos sind ein besonderer Menschenschlag, der ein einzigartiges, jahrhundertealtes Erbe und ein völlig eigenständiges Volkstum besitzt. Ibiza liegt der nordafrikanischen Küste näher als der katalanischen Hauptstadt Barcelona. Mit seinen 572 km2 Fläche stellt es nur einen winzigen Flecken auf der Erdkugel dar, der dennoch einen Berg, fruchtbare Äcker und für eine kleine Mittelmeerinsel völlig überraschend einen Fluß sein eigen nennen kann. Die alten Griechen kannten Ibiza und Formentera, die südlichsten Ausläufer der Balearen, unter dem Namen Pityusen : »Pinieninseln«. Formentera, von Ibiza aus mit der Fähre in gut einer Stunde zu erreichen, war lange Zeit hindurch den nordafrikanischen Piratenangriffen ausgesetzt und deshalb nicht mehr bewohnt; erst im 18. Jahrhundert wurde es wieder besiedelt. Ibiza seinerseits ist von kleinen, nicht erschlossenen Insein umgeben, deren Besuch gerade deshalb reizvoll ist. Sa Talaia. oder Atalayasa, Ibizas höchste Erhebung, wird Bergsteiger nicht beeindrucken. Dennoch: An klaren Tagen kann man vom Gipfel die spanische Küste sehen. Auf Ibiza leben 65 000 Einwohner, die während der Sommermonate allerdings neben den Touristen nur eine kleine Minderheit bilden. Das Klima Ibizas ist mild und ausgeglichen. Im Winter sinkt die Temperatur selten bis zum Gefrierpunkt, im Sommer wird die ohnehin nicht unerträgliche Hitze durch eine leichte Brise gemildert doch Vorsicht: Waldbrandgefahr ! Dem Klima und dem außerordentlichen Reichtum an Grundwasser verdankt Ibiza seine blühende Landwirtschaft. Die Oliven-, Feigen- und Mandelbäume, die dem Touristen ein farbenprächtiges Bild bieten, sind für die Einheimischen eine Einnahmequelle. Eine andere bildet das Salz, das seit Jahrhunderten in den riesigen Pfannen im Süden der Insel gewonnen wird. Die Geräusche der traditionellen Gewerbe wie Fischerei, Bergbau, Herstellung von Sandalen werden heute durch das Rasseln der vom Tourismus gekurbelten Registrierkassen übertönt. Die Hauptstadt Ibizas heißt ebenfalls Ibiza, was Neuankömmlinge in den ersten Tagen etwas verwirrt. Ibiza- Stadt hat rund 30 000 ständige Einwohner. Mit ihren weißgetünchten Häusern wächst sie den von einer alten Mauer umgebenen Hügel hinauf ein Juwel des Mittelmeers. Nicht nur die Altstadt erweist sich als touristisch interessant; sehenswert ist auch das große Hafenviertel mit seinem bunten Durcheinander, seinen Kneipen und Boutiquen. Ibiza ist aber nicht nur Ferienort, Treffpunkt und Tummelplatz von In- und Outsidern, sondern auch Handelsstadt und Sitz von Verwaltung und Behörden. Die unkonventionellste und am stärksten vom Tourismus geprägte Stadt der Insel liegt 15 km westlich von Ibiza. Die Römer nannten sie Portus Magnus großer Hafen, woraus die Ibizenkos im Laufe der Jahrhunderte Portmany machten. Beide Bezeichnungen werden noch benutzt, doch lautet der offizielle Name Sant Antoni Abad. In kurzer Zeit sind hier Hotels und Apartmenthäuser aus dem Boden geschossen und haben die atemraubende Bucht in ein wahres Copacabana verwandelt. Sant Antoni ist nicht nur ein beliebter Badeort, sondern auch für sein reges Nachtleben bekannt. Die zweitgrößte Stadt der Insel, die Sant Antoni in den letzten Jahren überholt hat, ist Santa Eulalia del Riu an der Ostküste. Bis vor kurzem war sie lediglich ein kleines Dorf, das sich auf einem Hügel um die malerische Wehrkirche scharte. Andere Dörfer haben sich weit weniger entwickelt. Für den unternehmungslustigen Touristen kann dies seinen Zauber haben. Fahren Sie einmal ins Innere der Insel, und Sie werden Dörfer durchqueren, in denen es nicht viel mehr gibt als eine weißgetünchte 10 Kirche, einen kleinen Kaufladen und eine Bar. Trinken Sie hier in Muße ein Gläschen hierbas, das Sie nur die Hälfte dessen kostet, was Sie in der Stadt zahlen müßten, lauschen Sie den Grillen und genießen Sie den Duft des Heus.

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